Ein Polaroid ist ein Polaroid

Bei dem Wort Polaroid hat wahrscheinlich jeder von uns ein Bild vor dem geistigen Auge: eine unverwechselbare Farblichkeit, der weiße, stabile Rahmen und man erinnert sich vielleicht auch daran, dass Polaroids offenbar nach der Belichtung zu wedeln waren.

Polaroid ist erst einmal ein Markenname und steht vor allem für die Sofortbildphotographie, wie Tempo für das Papiertaschentuch steht oder Tesa für einen transparenten Klebestreifen.

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Die erste Sofortbildkamera kam von der Firma POLAROID und wurde vor über 70 Jahren vorgestellt. Der Film dieser ersten Kamera wurde nach der Belichtung in ein Positiv und ein Negativ  getrennt und hieß folglich auch ‚Trennbildfilm‘. Da nach der Belichtung kein weiterer Entwicklungsprozess in einem Labor mehr notwendig wurde, nannte man die Bilder Instant- oder Sofortbilder.

25 Jahre später kam ein neuer Kameratyp von Polaroid auf den Markt. Und mit diesem auch das Bild mit den typischen, noch heute erhältlichen weißen Rahmen. Neu war, dass der Trennvorgang entfiel. In dem Bild liefen jetzt alle chemischen Prozesse ‚integriert‘ ab. Deswegen wurde er Integralfilm getauft.

Ein Polaroid ist eine kleine chemische Küche. Das sog. Filmblatt des Integralfilms besteht aus vielen Schichten. Über den drei (auf die Grundfarben Rot, Blau, Grün) farbempfindlichen Negativschichten liegen mehrere durchsichtige Schichten. Nach der Belichtung zieht die Transporteinrichtung in der Kamera das Filmblatt durch Walzen, sodass die im Filmmaterial, in dem unteren weißen Balken gelagerten Entwicklerchemikalien freigeben werden. Diese verteilen sich gleichmäßig zwischen Negativ- und Positivschichten. Das ‚frische‘ Bild erscheint zuerst milchig-grau und ist nach gut 30 Minuten sichtbar. In dieser Zeit entwickelt sich das Negativ und wird schließlich durch eine Polymerdeckschicht stabilisiert.

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Wer sich noch erinnert, dass Polaroids gewedelt wurden, dem kann gesagt werden, dass dies niemals erforderlich war. Der chemische Prozess läuft so oder so ab. Am besten legt man das Bild ins Dunkle und wartet geduldig.

Da nun chemische Produkte selten über einen längeren Zeitraum stabil sind, verlieren auch die Bestandteile eines Integralfilms ihre Wirkkraft. Bilder, wie die hier gezeigten, wurden mit ‚abgelaufenem‘ Filmmaterial gemacht und sind ebenso bizarr wie wunderschön.

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2005 wurde die Produktion von Polaroid Kameras eingestellt, 2008 die Filmproduktion aufgegeben. Ein Investor übernahm eine der Produktionsstätten und produziert seitdem Filme für die alten Kameras. Er gab dem Unternehmen den Namen ‚The-Impossible-Project‘. Die heute wieder produzierten Filme für alte Polaroid Kameras sind Integralfilme und es gibt sie in Farbe als auch in Schwarzweiß. Umgangssprachlich sind das Polaroids, nach wie vor.

Ein Polaroid ist also das Ergebnis eines komplexen chemischen Prozesses und das mit vielen Unwägbarkeiten. Das Ergebnis ist einzigartig, wie es ein Gemälde ist.

 

2 Gedanken zu “Ein Polaroid ist ein Polaroid

  1. Danke Dir, Markus, ich will diese farblichen Unterschiede, Digital – Polaroid, in einem kommenden Post noch mal thematisieren. Daraus erschliesst es sich dann einfacher, wie man es selbst recht problemlos hinbekommen kann.

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