Wenn es Nacht wird

Sehr häufig wird mit Polaroid Kameras das nähere Umfeld photographiert. Dafür sind sie ausgelegt. Und wenn die Kameras auch noch einen integrierten oder aufgesetzten Blitz haben, dann leuchten diese auf einer Distanz bis zu gut vier Metern die Szenerie ausreichend aus. So entstehen viele der typischen Polaroid Party Bilder. Man kann leicht gute Laune einfangen und nichts falsch machen. Der Spaß, anschließend gemeinsam die Oberfläche zu beobachten, wie langsam das Bild erscheint, ist garantiert.

Polaroid Kameras können aber mehr, mehr als nur den Portraitbereich bedienen. Und dies auch ohne Blitz und ohne großen Mehraufwand.

Schwarzweißfilme für alte Polaroid Kameras sind nach wie vor, wie soll ich sagen, eine Herausforderung. Sie sind eher künstlerisches Material, denn als ein verlässlicher Film für die photographische Arbeit. Bei Tageslicht aber auch bei Blitzaufnahmen sind die Ergebnisse immer noch schwer zu kalkulieren.

Aber für Nachtaufnahmen eignen sie sich hervorragend. Sie zeigen bei längerer Belichtungszeit eine beindruckende Schärfe und Genauigkeit in der Zeichnung. Insbesondere in Sommernächten mit klarem Himmel und Restlicht der Dämmerung zeigen sie tolle Resultate.

 

Nacht sw 1

 

Beide Bilder wurden im Juli gegen Mitternacht aufgenommen. Es war das Licht einer Straßenlaterne vor dem Gebäude und noch etwas Restlicht vom weitgehend wolkenfreien Himmel vorhanden. Die Polaroid SX70, eine Spiegelreflex Kamera, erlaubt Zeitbelichtungen bis zu 13 Sekunden. Diese Aufnahmen wurden mit gut 10 Sekunden auf einen 100 ASA Film belichtet.

 

Nacht sw 2

 

Die Auslösung erfolgte über einen Fernauslöser und auf einem Stativ, um Schwingungen der Kamera beim Auslösen aber auch dem möglichen Verwackeln aufgrund der langen Belichtungszeit zu minimieren. Und nach dem Auslösen schließt die Blende, wenn die Elektronik meint, jetzt reicht es mit dem Licht. Und fast immer macht sie das auch im passenden Moment.

 

Farbfilme sind ebenso für Nachtaufnahmen geeignet, wenn auch in anderer Form. Hier kommt insbesondere zum Tragen, dass Polaroid Kameras keinen Weißabgleich haben. Zum einen weiß man nie, welche Lichtquellen welche Farbtemperaturen zeigen und welche farbliche Ausprägung sich auf dem Bild ergeben. Aber diese Ungewissheit kann man gut dafür nutzen, Aufnahmen, die bis zu 2 – 3 Sekunden dauern, aus der Hand zu machen. Nun liegen Polaroid Kameras sehr gut in der Hand und sie sind bequem diesen Moment ruhig zu halten. Gerade eine leichte Verwacklung und die Ungewissheit der möglichen Farbeffekte lassen wunderbare Werke entstehen. Auch hier steuert die Kamera die Belichtungszeit ohne externem Einfluss.

 

Nacht farbe 1

 

Diese obige Aufnahme ist mit einer image ProCam und einem 640 ASA Film entstanden. Die folgende Aufnahme entstand mit einer SX70 und einem 100 ASA Film.

 

Nacht farbe 2

 

 

 

 

 

 

 

 

Langweilig und unscheinbar …

Grau oder braun, mehr Farbe bekam sie nicht vom Designer. 1986 kam sie auf den Markt und war ein großer Erfolg. Quadratisch, praktisch und ungemein vielseitig; der ‚Golf‘ unter den Polaroid Kameras. Auf dem amerikanischen Kontinent wurde sie unter dem Namen Spectra verkauft, in Übersee, also bei uns, heißt sie image.

Es gab wenig unterschiedliche Varianten von dem Modell. Eine Variante, die ProCam, habe ich im letzten Beitrag vorgestellt. Die Variante image system , die hier vorgestellt wird, wurde wohl am Häufigsten verkauft. Und das lag an der sehr einfachen Handhabung, aber auch an der Ausstattung.

image system Portrai R

 

Versehen mit einem Sonar – Entfernungsmesser, einem 10 Sek. – Selbstauslöser, der Möglichkeit von Mehrfachbelichtungen, einem – auch abschaltbaren – automatischen Blitz, einer geringen Belichtungskorrektur für leichte Aufhellung oder Abdunkelung der Aufnahme sowie einem Anschluss für einen Funkfernauslöser. Damit wäre sie schon für fast alle Situationen gerüstet gewesen. Aber man erhielt als Zubehör noch über 10 verschiedene  Vorsatzlinsen und eine Nahlinse. Mit dieser sind Aufnahmen um die 30 cm Entfernung möglich. Zusammen mit einem 640 ASA Film ist der Kreativität damit ungemein viel Spielraum gegeben.

Es war Frühsommer am Rhein, warm genug, dass schon Strandbars geöffnet hatten.

Strandbar I R

Als ich die Aufnahmen mit der image system gegen 15h machte, stand die Sonne noch recht hoch.

Strandbar II R

Ich habe einen Orangefilter vor die Linse gesetzt, etwas überbelichtet und die Sonne leicht am Orangefilter vorbei in das Objektiv fallen lassen. Der Blitz wurde ausgeschaltet.

Strandbar III R

Anschließend habe ich die Bilder am Körper, also bei über 30 Grad, entwickeln lassen. Bei dieser Temperatur zeigt sich eine leicht rötliche Färbung. Werden die Bilder bei unter 15 Grad entwickelt, zeigen sie eine leichte Blautönung.

Strandbar IV R

Dann habe ich in der Sonne gesessen und eine Kola getrunken.

Job is done !

Viele Polaroid Kameras sind sog. Sucherkameras. Für die Kontrolle des Bildausschnitts dient in der Regel eine separate Optik, der Sucher. Was man durch den Sucher sieht, ist nicht genau das, was aufgenommen wird. Bei sehr vielen Polaroid Sucherkameras sind die Linsen aus Kunststoff.  Für möglichst präzise Aufnahmen bedarf es aber schon Linsen aus Glas. Dies hat die Image ProCam. Sie wurde für die Polizeiarbeit entwickelt. Und sie kann zusätzlich mit einer Vorsatzlinse bestückt werden. Damit sind dann Aufnahmen mit einer Annäherung auf bis zu 25 cm an das Objekt möglich. Zum Zweck der Dokumentation kann wahlweise Datum oder Uhrzeit ins Bild gesetzt werden (bei dieser Aufnahme nicht verwendet). Die Blende bei der Image ProCam beträgt f/10 bis f/45, die Belichtungszeit läuft von 1/245 bis 2,8 Sekunden. Keines dieser Parameter kann beeinflusst werden. Ist der Blitz ausgeschaltet, wird Blende und Belichtungszeit von der Kameraelektronik gewählt.

job_is_done R

Die Hasen wurden Ostermontag bei einfallendem Sonnenlicht kurz vor Sonnenuntergang ohne Blitz mit einem ASA 640 Film aufgenommen. Als Untergrund / Hintergrund diente hellbeiger Filz. Danach kamen die Hasen wieder in die Osterdekorationskiste – bis zum nächsten Jahr.

 

 

 

Die Kamera war einfach da …

Campen bR

Ich kann mich nicht daran erinnern, wie sie ins Haus kam und warum ich sie auf einmal in die Hand nahm. Das muss so ungefähr um 2005 gewesen sein. Polaroid ging erst Jahre später Pleite und es gab problemlos Filme. Für die Polaroid Kamera image system (mehr zu dieser Kamera von 1986 und den passenden Filmen kommt in einem späteren Beitrag) kaufte ich Softtone Filme; diese gaben den Bildern die farblich Anmutung eines lauen Sommerabends; sie gaben eine betörende Leichtigkeit vor.

Campen aR

Und in einem Frühsommer nahm ich diese Kamera dann auch zum ersten Mal mit an die Nordsee. An der Mündung der Ems, in Campen, steht der höchste Leuchtturm Deutschlands, 65 Meter hoch ist er. Es war gegen Nachmittag, wohl so um die 16 Grad und es ging ein recht kräftiger Wind. Die Luft war klar, ein paar Wolken am Himmel und weit und breit keine Menschenseele. Auch der Leuchtturm war noch geschlossen. Ich hatte gehofft, Aufnahmen aus der Höhe zu machen. Es blieb der Blick auf Augenhöhe.

Campen cR

Für keines der Bilder habe ich irgendeine Einstellung an der image system vorgenommen; doch, habe ich – den Blitz hatte ich ausgeschaltet. Zwei Bilder habe ich verloren. Der Wind riss sie mir aus der Kamera bzw. aus der Hand, als ich sie in ein kleines Kästchen legen wollte. Polaroid Bilder brauchen auch heute noch nach der Belichtung stets ein paar Minuten in Dunkelheit.

Campen dR

Gleiches ist mir im Januar dieses Jahres wieder passiert; der Wind an der Nordsee nahm sich ein Bild bei Windstäke 11.